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Von Mama 28.02.2020 um 23:38 Uhr | melden
..... saß ich zu dieser Stunde seit Hunderten von Kilometern im Auto, auf dem Weg zu dir. Zu weit weg, zu spät, dich noch lebend zu erreichen. Kein Wort mehr, keine gemeinsame Umarmung, kein Blick, den du mehr hättest erwidern können. Seit heute Morgen ist es, als ginge ich all die letzten Stunden in deinem Leben noch einmal mit dir. Als könnte ich dich im Nachhinein begleiten. Du meine Tochter,, nur nicht alleine sein, nur das nicht. Fast jede Minute kann ich inzwischen wieder erinnern. Nachrichten die kamen: „Wer fährt mit Ihnen? Wie kommen Sie voran? Wann können Sie da sein? Sie sind soweit weg!“ Nasse Straßen voller Regen, nur wenige Grade über Null. Und dann Ankommen und das Unfassbare hören und doch nicht hören und sehen und doch nicht glauben können. Die Unfallfahrerin schon längst wieder nach Hause entlassen. Gesund und unverletzt. Du dagegen sterbend.
Ein Alptraum, der sich 3 Jähre fast täglich wiederholt. Das Gedächtnis vergisst nicht, es erinnert jeden Tag neu. An Kreuzungen, an Fußgängerüberwegen, bei Autos mit zu hohem Tempo. Gerichtsurteilen in denen die Unfallfahrer sich auf Nicht-Wissen berufen. Dann könnte ich sie wie heute Morgen aus ihren Autos ziehen, sie schütteln und fragen, ob sie noch ganz dicht sind? Ob sie nicht wissen, wie schnell das Leben eines Fußgängers ausgelöscht ist, ob sie kein Verantwortungsgefühl haben? Noch immer trage ich meine Wut und Bitterkeit und deinen Verlust mit mir, als käme irgendwann jemand, der sie mir abnehmen würde. Doch es kam keiner und da wird auch niemand sein. Was ich lerne, lernen muss, ist anzunehmen, dass ich diesen Schmerz aushalten und in mein Leben integrieren muss, möchte ich weiter leben, nicht nur überleben. Das ist das Schwerste.
Was ich zunehmend erfahre und was sich verändert ist, das ich Menschen treffe, die wirklich mitfühlen, die teilhaben und die mit mir um dich trauern. Die auch mit mir um meinen eigenen Schmerz trauern, dass auch ich nie mehr die sein kann, die ich einmal war. Aufrichtig. Manchmal weinen sie eher als ich und dann sehe ich in den Spiegel und kann es immer noch nicht fassen, dass es DU bist mein Kind, die nicht mehr da ist, und nicht das Kind einer anderen.
Bei aller Schwere, langsam kehrt etwas Ruhe ein. Tage, an denen ich wieder ein wenig lachen kann. Tage, an denen ein Stück Lebendigkeit zurückkehrt. Seltsame Gefühle, auch wenn ich weiß, dass du es genauso wolltest. Ich vermisse dich so sehr Leonie! Ich liebe dich an jedem einzelnen Tag. So vieles, was mich an dich erinnert. Auch vieles, was ich erlebe und mir begegnet und von dem ich glaube, dass es Grüße von dir sind. Sie lassen mich glauben, dass du gut aufgehoben bist.
Diesen Sommer hatte ich eine Begegnung besonderer Art, fast war ich mir sicher, du hättest den Herrgott persönlich auf die Erde zu mir gebeten mit dem Auftrag, er solle sich jetzt endlich kümmern, damit ich wieder auf die Füße komme. Alleine ginge das nicht. Du hattest Recht, es wäre nicht mehr gegangen. Und seitdem ist da tatsächlich etwas Licht. Licht dem ich noch nicht traue, denn wer weiß was hinter der nächsten Biegung kommt? Immerhin etwas anderes wie Dunkel und es fühlt sich gerade gut an und hell und warm und geborgen. Mein Herz hat wieder angefangen zu schlagen, auch wenn es stolpert und manchmal hüpft, es bewegt sich immerhin wieder.
Wohin mein Weg ohne dich führt Leonie? Wer weiß? Das kleine Stück Leben, das ich gerade wieder zulassen kann, fühlt sich gut an. Vielleicht ist es auch der Weg, dich all das mit weiterleben zu lassen, was dir nicht mehr vergönnt war? Ein schöner Gedanke. Ich will versuchen daran zu glauben.
Gute Nacht mein Schatz, ich trage dich tief in meinem Herzen und liebe dich.
Deine Mama